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Die Orgeln

Die "Schwalbennestorgel"
Die "Schwalbennestorgel"
Foto: Jan Kühle

Die heutige Orgelanlage des Münsters mit vier selbständigen, einzeln und zusammen spielbaren Orgeln ist das Ergebnis eines langen historischen Prozesses. Schon seit Jahrhunderten besaß das Münster mehrere Orgeln.

Ältere Geschichte

Die Langschiff- bzw. Schwalbennestorgel wurde 1545 von Jörg Ebert aus Ravensburg erbaut, eine zweite Orgel stand auf dem Lettner, der Chor und Langhaus trennte, eine weitere kleine Orgel gab es im Chor, darüber hinaus war noch ein Trag- oder Prozessionspositiv vorhanden. Mit dem Abbau des Lettners verschwand die Lettnerorgel. Als für den Chorraum der Bau einer neuen Orgel notwendig wurde, stellte sie E.F. Walcker auf die südliche Seitenempore zum Chorumgang (1881), wo sie in veränderter Form bis zum Neubau der gesamten Anlage 1963/65 bestand.

Die weiteren heutigen Orgelstandorte ergaben sich aus dem Zusammenwirken mit der vokalen Kirchenmusik: Auf der nördlichen Querhausempore, der Marienempore, wurde eine Orgel für die Chorbegleitung benötigt, ebenso später in der Michaelskapelle im Turm, wohin der zahlenmäßig stark angewachsene Domchor 1934 umgezogen war. Die frei gewordene Marienempore wurde 1936 zum Standort einer neuen Hauptorgel.

Erneuerung nach dem II. Weltkrieg

Die Marienorgel
Die Marienorgel
Foto: Jan Kühle

Bedingt durch technischen Verschleiß, aber auch durch Kriegsfolgen (insbesondere nach dem Ausbau der Fenster) waren die Orgeln in den 50er Jahren so schadhaft geworden, dass eine Erneuerung unabweislich wurde. Diese konnte 1963 in Angriff genommen werden. Nacheinander entstanden eine neue Chororgel (Fa. Rieger, A-Schwarzach), die Michaelsorgel im Turmchor (Fa. Späth, Ennetach) und schließlich die neue Hauptorgel, die Marienorgel (ebenfalls Fa. Rieger, A-Schwarzach).

Um der besseren akustischen Wirkung im Hauptschiff willen kam letztere nicht auf die Empore zu stehen, sondern wurde an der Seitenwand davor aufgehängt. Der bemerkenswerte Prospekt, Ergebnis langwieriger Planungen, stammt von Jacob Schmidt. Die Marienorgel gehört damit zu den markantesten Orgelbauten aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Bei der dänischen Fa. Marcussen wurde 1965 zuletzt die neue Schwalbennest- bzw. Langschifforgel in Auftrag gegeben. Das Instrument steht auf der alten historischen Orgelkanzel, die wie ein Schwalbennest an der Wand klebt, und orientiert sich in seinen Abmessungen - geringfügig vergrößert - am Werk Jörg Eberts. Zwei Skulpturen, die bekrönende Marienfigur und der Trompeter (Roraffe) am Orgelfuß, blieben über die Jahrhunderte erhalten. Sie sind Werke des Bildhauers Sixt von Staufen aus dem Jahr 1530.

Die aktuelle Situation

Der zentrale Spieltisch
Der zentrale Spieltisch
Foto: Jan Kühle

In den Jahrzehnten seit dem Bestehen der neuen vierteiligen Anlage kam es zu mehreren Veränderungen. So wurde die Chororgel 1988 von der linken auf die rechte Chorseite versetzt und neu gestaltet. Ein neuer Hauptspieltisch wurde 1990 beschafft. Die Marienorgel erfuhr zuletzt 2000/01 eine durchgreifende Renovierung, bei der ein Glockenspiel neu hinzu kam. Beat Grenacher/Luzern nahm eine Neuintonation vor. Die Langschifforgel blieb bis heute unverändert, bei ihr wurde lediglich das Rückpositiv, das ursprünglich nicht vom Hauptspieltisch aus spielbar war, elektrisch an diesen angeschlossen. 2008 wurde die Michaelsorgel durch einen Neubau der Fa. Metzler (CH-Dietikon) ersetzt, das bisherige Instrument ging als Schenkung an eine Pfarrei in Sarajewo. Zugleich erfolgte eine neue, auf einem elektronischen BUS-System basierende Vernetzung der Gesamtanlage.

Das singuläre Konzept der Orgelanlage des Münsters mit den vier Orgeln, die unabhängig voneinander, aber auch gemeinsam gespielt werden können, hat sich in Liturgie und Konzert vielfach bewährt. Dialog- und Echowirkungen, wie sie im Wechselspiel der vier Orgeln möglich sind, gehen mit dem Raum eine einzigartige Symbiose ein und ergeben so ein unverwechselbares Klangbild.


Klemens Schnorr

Fr, 30.07.2010
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