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Der neu gestaltete Altarraum

Altarweihe am 10.12.2006
Altarweihe am 10.12.2006
Foto: Christoph Hoppe

Nach jahrelangen Vorüberlegungen sowie nach intensiven Vorarbeiten wurde am 10. Dezember 2006 der neue Altar im Münster Unserer Lieben Frau zu Freiburg durch Erzbischof Dr. Robert Zollitsch geweiht.

Das Vorhaben der Altarraumgestaltung im Freiburger Münster war ein Projekt mit geschichtlicher Dimension in der und für die heutige Zeit. Nach einem 18 Jahre dauernden Provisorium stand in Kenntnis ähnlicher Schritte in großen Kirchen die konkrete Umsetzung an. Der Altarraum sollte für die Feier der Liturgie an einer Kathedrale angemessen gestaltet und zugleich auf den künstlerischen Anspruch des Münsters bedacht sein. Die damit gegebene Herausforderung wurde von Anfang an gesehen und in den Entwürfen, die auf die Ausschreibungen hin eingereicht wurden, kreativ aufgenommen. Zum Zuge kam schließlich das Konzept des Münstertäler Künstlers Franz Gutmann.

Der neu gestaltete Altarraum
Der neu gestaltete Altarraum
Foto: Christoph Hoppe

Im Vorfeld gab es zahlreiche Kommentare und auch kritische Stimmen zum Entwurf der Anlage. Dies wurde von den zuständigen Gremien (Domkapitel mit dem Erzbischof, Pfarrgemeinderat der Dompfarrei, Münsterbaukommission) sehr wohl wahrgenommen als Ausdruck der Solidarität und Mitsorge um das Freiburger Münster. Konstruktive Hinweise verhalfen zu einer Überprüfung und Verfeinerung des vorgelegten Konzeptes.

Zum Verständnis der Gesamtanlage sei auf einige Aspekte verwiesen:

In allen Phasen der Planung waren die denkmalpflegerischen Belange durch eine aktive Mitwirkung der zuständigen Behörde vertreten und gewährleistet. Das über Jahre hinweg vorhandene und akzeptierte Provisorium wurde zur positiven Anregung für die Ausgestaltung des Altarraumes: Die in Sandstein ausgeführte Stufenanlage verbleibt zum Schiff hin in den Maßen des bisherigen Modells, seitlich wurden die Stufen auf die vorderen Säulenbündel der Vierung zugeführt. Dadurch kommen die Architektonik und das Raumkonzept des Münsters neu zur Geltung.

Der Altar
Der Altar
Foto: Christoph Hoppe

Der rötlich-dunkle und geschliffene Altar aus Granit in Form eines Tisches mit tragendem Boden wirkt markant, hat aber farblich eine große Nähe zu den Schattierungen des Sandsteins des Münsters. Dadurch fügt sich der Altar in das Ganze ein und unterbricht nicht durch auffällige bzw. aufdringliche Farbe oder Form den Durchblick auf das wertvolle Altarbild von Hans Baldung Grien. Der Altar ist quadratisch gestaltet und nimmt so das Quadrat der Vierung auf. Die Kantenlänge (144 cm) ist auf die in der Offenbarung des Johannes benannte Zahl der Geretteten (Offb 7,4) und die dortige Verheißung eines universalen Heilsangebotes beziehbar. Dies wird erinnert und zugleich vergegenwärtig in jeder Feier der Liturgie. Die Stelle des Altares ist leicht in die Vierung vorgeschoben (und fast identisch mit der Stelle des bisherigen Provisoriums).

Der Ambo als neben dem Altar wichtigsten Teilstück für die Feier der Liturgie reicht am Boden wenige Zentimeter über die entsprechende Stufe hinaus und symbolisiert das Bemühen, in der Verkündigung des Wortes Gottes den Menschen zugewandt zu sein.

Die Kathedra
Die Kathedra
Foto: Christoph Hoppe

Die Cathedra steht für den Dienst des Bischofs in seiner Lehrverantwortung den Gläubigen gegenüber. Deswegen soll ihr Ort "inmitten und gegenüber" der Gemeinschaft der Gläubigen sein. Die Cathedra soll einen festen Ort haben und erinnert auch außerhalb einer liturgischen Feier an den Charakter des Münsters als Bischofskirche. Da das Freiburger Münster als Pfarrkirche erbaut wurde und dies auch heute noch ist, gab es bislang keinen architektonisch "vorgegebenen" Platz für die Cathedra. Die konkrete Stelle der Cathedra stimmt nun mit dem Platz überein, an dem sie seit vielen Jahren bei allen großen Gottesdiensten stand in der Linie zwischen Zelebrations- und Hochaltar. Die Gestaltung ist in Stein (wie Altar und Ambo) und Holz ausgeführt. Der Blick auf das Altarbild von Hans Baldung Grien wird nicht beeinträchtigt.

Angesichts der kontroversen Auseinandersetzung um den Verbleib der beiden "vorderen Seitenaltäre" - Anna-Altar und Dreikönigsaltar - wurden nach der Altarweihe über einige Wochen hinweg Eindrücke von der neuen Raumgestaltung gewonnen und Anfang Februar 2007 mit 1:1-Modellen der beiden Seitenaltäre ebenso verfahren. Die beiden zuständigen Gremien, das Domkapitel mit dem Erzbischof und der Pfarrgemeinderat der Dompfarrei, haben unabhängig von einander und einhellig entschieden, die Altäre nicht mehr an den bisherigen Orten aufzustellen, da sie das neue Raumempfinden stören würden. Über den endgültigen Standort der Altäre muss noch in der Münsterbaukommission entschieden werden.
 

Paul Wehrle

Literaturhinweis:

  • Identität im Wandel. Die Neugestaltung des Altarraums im Münster Unserer Lieben Frau zu Freiburg, hrsg. v. Domkapitel der Erzdiözese Freiburg und der Dompfarrei Unserer Lieben Frau Freiburg, Lindenberg im Allgäu 2007.

Fr, 10.09.2010
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Buchtipp:

Buch: Identität im Wandel
Identität im Wandel. Die Neugestaltung des Altarraums im Münster Unserer Lieben Frau zu Freiburg, hrsg. v. Domkapitel der Erzdiözese Freiburg und der Dompfarrei Unserer Lieben Frau Freiburg, Lindenberg im Allgäu 2007.
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