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Das spätromanische Triumphkreuz

Das Triumphkreuz
Das Triumphkreuz
Foto: Jan Kühle

Seit Ende 2009 hängt das um 1200 gearbeitete monumentale Silberkreuz wieder im Triumphbogen des Chores über dem Altar des Münsters, nachdem es über Jahrhunderte in der Villinger- oder Böcklinkapelle, genannt nach den Stiftern, dem Schatzmeister Kaiser Maximilians I. und später dem Ritter Wilhelm Böcklin von Böcklinsau (gest. 1585),  aufbewahrt wurde. Dieses älteste Kunstwerk des Münsters hing bereits wohl als Triumphkreuz im spätromanischen Chor. 1588 wurde es erstmals in der Chorkapelle erwähnt. Stifter des Kreuzes war vermutlich der Zähringerherzog Bertold V., erster Bauherr des Münsters.

Das knapp 3 m hohe (Höhe 263, Breite 145, Kreuzbalken Tiefe 4cm, Christusfigur Höhe 107 cm ), aus Eichenholzbrettern zusammengesetzte Kruzifix, ist auf der Vorderseite vollständig mit silbernen, zum Teil vergoldeten Platten und Reliefs verziert. Im Zentrum befindet sich die dreiviertel-runde, aus Silberblech getriebene und vergoldete Figur Jesu Christi. Sein Körper ist mit vier Nägeln ans Kreuz geschlagen, die Arme sind weit, fast horizontal durchgestreckt, die Hände geöffnet, die Füße nebeneinander auf eine ovale Scheibe gestellt. Der Kopf ist leicht zur Seite geneigt, die Augen im stillen Antlitz sind halb geschlossen. Schulterlanges Haar und kurze Bartsträhnen rahmen die edlen Gesichtszüge. Über dem realistisch modellierten Brustkörper mit den hervortretenden Rippen spannt sich leicht die Haut. Den Unterkörper umfängt ein knielanges, fein gefaltetes Lendentuch, das an der linken Hüfte mit einem großen Knoten verbunden ist. Den Saum schmückt eine Borte aus farbigen Steinen. Kostbare Steine bedecken auch die Kreuzwunden Jesu, ein großer herzförmig geschliffener Blutjaspis betont die Seitenwunde. Nichts deutet auf einen grauenvollen Todeskampf hin. Die Darstellung des Gekreuzigten ist ruhig und friedvoll. Sie zeigt nicht den am Kreuz Leidenden, sondern den über den Tod Triumphierenden. Damit verweist das Kruzifix auf die Wiederauferstehung Jesu, seine Himmelsherrschaft und sein Wiederkommen am Jüngsten Tag.

Auferstehung und Pfingstwunder?
Auferstehung und Pfingstwunder?
Foto: Münsterbauverein

Unten den Füßen des Gekreuzigten zeigt ein rundes, mit einer schmalen Efeuranke umgebenes Relief ein Lamm mit Kreuz- oder Siegesfahne, Sinnbild für den Tod und die Auferstehung Jesu. Über dem Kopf des Gekreuzigten befinden sich zwei besonders fein gearbeitete Reliefs: Unten stehen Maria und die Apostel, die ergriffen nach oben schauen. Über ihnen schreitet Jesus, größer als sie, von rechts nach links mit weit ausholendem Schritt, wehendem Gewand und Siegesfahne. Diese Szenen wurden bisher als die Himmelfahrt Jesu gedeutet. Neuerdings gibt es die Vermutung, dass die Bilder das Pfingstwunder und die Auferstehung Jesu darstellen. Der ovale Bergkristall über Marias Kopf wird als Symbol des heiligen Geistes gesehen. Diese Arbeiten mit der Modellierung der weich fließenden Gewänder sind von besonderer Qualität und zeigen die große Meisterschaft des unbekannten Silberschmieds.

Die Balkenenden schmücken Reliefs mit drei sitzenden Evangelisten und dem Löwen, das Symbol des Evangelisten Markus. Die Abgebildeten sind in verschiedenen Ansichten wiedergegeben: Der linke Evangelist sitzt frontal auf einer Bank. Auf seinen Knien liegt das Schreibbrett mit dem Pergament, in der rechten aufgestützten Hand hält er den Schreibgriffel, in der linken das Tintenfaß. Der Evangelist ihm gegenüber sitzt seitlich vor einem Pult, hat den Griffel in der rechten Hand und seinen Kopf zum Betrachter gewandt. Ebenfalls im Profil, jedoch nach rechts gedreht, ist der Evangelist am oberen Balkenende dargestellt.

Heike Mittmann

Literatur:

  • Hermann Gombert: Der Freiburger Münsterschatz. Freiburg-Basel-Wien 1965, S. 46-50.
  • Kunstepochen der Stadt Freiburg, Ausstellung zur 850-Jahrfeier, hrsg. von den Städtischen Museen Freiburg, Augustinermuseum, 1970, S. 22-25.
  • Manuela Beer, Triumphkreuze des Mittelalters, Regensburg 2005, S. 579-582.
  • Katharina Christa Schüppel: Silberne und goldene Monumentalkruzifixe. Ein Beitrag zur mittelalterlichen Liturgie- und Kulturgeschichte, Weimar 2005, 105-128.
  • Wert und Würde. Bildwerke am und im Kapellenkranz des Freiburger Münsters, im Auftrag des c-punkt Münsterforums, hrsg. von Markus Aronica, Freiburg 2007, S. 30-37.

Fr, 10.09.2010
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Buchtipp:

Buch: Wert und Würde
Wert und Würde. Bildwerke am und im Kapellenkranz des Freiburger Münsters, im Auftrag des c-punkt Münsterforums, hrsg. von Markus Aronica, Freiburg 2007
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