Lambertusbüste

 
 
Das Büstenreliquiar zeigt den Heiligen Lambertus (auch Lambert, Lampert, Lambrecht) von Maastricht, einer der Stadtpatrone Freiburgs. Bischöfliches Ornat und Mitra kennzeichnet den Heiligen als Bischof. Die aufwändige Oberflächenbearbeitung des Gewandes vermittelt den Eindruck kostbarer Stoffe. Verschiedene florale Motive und Muster sowie bunte Glassteine zieren Gewand und Mitra, welche zudem ein getriebenes Relief der Verkündigung an Maria auf der Vorderseite zeigt.
 
Auf den Eckpfosten des Sockels stehen die vier Kirchenlehrer Hieronymus, Ambrosius, Gregor und Augustinus. Dazwischen befinden sich in der Mitte der Vorderseite eine barocke Madonnenstatuette und acht kleinere Bischofsfiguren, die sich durch die beigefügten Attribute teilweise identifizieren lassen (Hl. Nikolaus von Myra, Hl. Erasmus von Antiochien, Hl. Ulrich von Augsburg).
 
Der ehemalige Bischof von Maastricht (um 635-705) wurde in seinem Haus in Lüttich am 17. September hingerichtet und bald nach seinem Tod als Märtyrer verehrt, da er seinen Mördern gewaltlos entgegentrat. Spätestens jedoch mit der Übertragung der sterblichen Überreste und Verlegung des Bischofsitzes von Maastricht nach Lüttich (717/718) war der Bischof als Heiliger etabliert. 
 
Durch Rudolf von Zähringen, der 1167 zum Lütticher Bischof ernannt wurde, gelangte ein Kopfreliquiar in den Besitz Bertolds V. Es wurde anfangs auf der Burg auf dem Schlossberg verwahrt. Eine Lambertuskapelle dort ist erstmals für 1245 bezeugt. Die Übertragung der Reliquie in das Münster erfolgte wahrscheinlich im Jahr 1366, als die Burg zerstört wurde. Dadurch gewann der bislang in Freiburg nicht in Erscheinung getretene Heilige an Bekanntheit, wie das Vorhandensein eines ihm geweihten Altares ab 1379 und die Benennung Fronleichnamaltars als „Lambertusaltar“ nahelegen. Der Zeitpunkt der Ernennung als Stadtpatron ist nicht bekannt, dürfte aber mit der Vollendung des spätgotischen Chors und der Errichtung des Hochaltares zusammenfallen und bis 1520 abgeschlossen gewesen sein.
 
Seit 1506 wurde für ein neues Reliquiar Geld und Sachspenden gesammelt. Die Herstellung eines neuen Reliquiars beim Freiburger Goldschmied Peter Sachs wurde schließlich von den Münsterpflegern Bastian von Blumeneck, Gilg Has und Ulrich Wirtner in Auftrag gegeben. Porträts der Pfleger, die auch als Auftraggeber des Hochaltars von Hans Baldung in Erscheinung treten, befinden sich auf der Rückseite des Altars. Eine Inschrift im Inneren der Büste bezeugt die Fertigstellung 1514. Der heute als Unterbau dienende Sockel ist ein Bestandteil eines älteren Reliquienschreins aus dem Jahr 1468. Die Zusammenfügung beider Stücke erfolgte erst 1779.