Spätere An- und Einbauten

 
Renaissancevorhalle
 
Renaissance-Lettner (heute Seitenempore)
 
Umgestalteter Altarraum
 
Nach dem Bau des spätgotischen Chors war das Freiburger Münster nach über 300 Jahren im Wesentlichen fertiggestellt. In den folgenden Jahrhunderten gab es allerdings immer wieder Veränderungen durch Kapelleneinbauten, Anbauten und Bodentieferlegungen:
1555 entstand an der Nordseite des Langhauses die Ölbergkapelle (heute Grafenkapelle). Von 1579-1583 errichtete man anstelle der romanischen Chorschranken einen aufwendigen steinernen Renaissance-Lettner. Von 1604-1609 erhielt das Kirchenschiff innen und außen an den Galerien Maßwerkbrüstungen. 1620 entstand die Renaissance-Vorhalle vor dem südlichen Querhaus.
 
Ab 1719 wurde die Kirche im Inneren barockisiert: Man versah den Innenraum mit einem hellgrauen Anstrich, um mehr Helligkeit zu erreichen, und stellte Barockaltäre auf. Außerdem ersetzte man zahlreiche farbige mittelalterliche Fensterscheiben durch helle Gläser. Ende des 18. Jh. wurde der erst 200 Jahre zuvor entstandene Lettner wieder abgerissen, um den Gläubigen den ungehinderten Blick auf den Hochaltar zu ermöglichen. Teile von ihm wurden als Musikemporen an den Querhauswänden aufgestellt, wo sie noch heute zu sehen sind. Auch legte man den Boden im Chor tiefer, um Chor und Langhaus zu vereinheitlichen. 1795 wurden im Chor hohe neugotische steinerne Schranken aufgestellt, die seitdem den räumlichen Zusammenhang empfindlich stören. 1806 wurde am nördlichen Langhaus die Abendmahlskapelle eingebaut mit ihren lebensgroßen steinernen Figuren.
 
Als das Münster 1827 zur Bischofskirche des neugegründeten Erzbistums Freiburg erhoben wurde, trieb die sog. "Verschönerungskommission" die Gotisierung des Münsters voran. Die Chorstrebepfeiler erhielten kunstvolle, heute überwiegende verwitterte Aufbauten. Im Inneren entfernte man die helle barocke Tünche von den Wänden, ersetzte die barocke Ausstattung durch Werke in neugotischen Formen, fügte in die Fenster historistische Glasmalereien ein und verlegte einen neuen Plattenboden.
 
Einen großen Eingriff erlebte das Münster nochmals im 20. Jh. im Zusammenhang mit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Um den Zelebrationsaltar näher bei den Gläubigen platzieren zu können, verlängerte man 1989 - zunächst als hölzernes Provisorium - den höher gelegenen Chor mit einer Stufenanlage in die Vierung. 2006 erfolgten die Neugestaltung aus Stein und eine neue Chorausstattung (Altar, Bischofsstuhl, Ambo, Chorgestühl) nach einem Entwurf des Münstertäler Künstlers Franz Gutmann.