Heiliges Grab

 
 
In einer Nische im südlichen Seitenschiff befindet sich hinter einer spitzgiebeligen Architektur eine monumentale Heilig-Grab-Darstellung. Diese um 1330 entstandene figurenreiche Steinplastik zählt zu den frühesten und bedeutendesten Heiliggrabanlagen in Deutschland. 
 
Auf einem von Weinlaub und Trauben umrankten großen Steinsarg liegt starr ausgestreckt der Leichnam Christi, überlebensgroß (2,18m), umgeben von drei Frauen, den "drei Marien", und zwei Engeln. An der Vorderseite des Sargs sind fünf schlafende Wächter in Rüstung dargestellt. Außen zwischen den Architekturgiebeln zeigt sich im kleineren Maßstab der auferstandene Christus, flankiert von zwei Marien und zwei Engeln mit Weihrauchfässern.
 
Die Skulpturen im Inneren der Kapelle sind von besonderer künstlerischer Qualität. Ausgezehrt und realistisch wirkt der Leichnam Christi, dessen Kopf und knochiger Körper in Grabtücher gehüllt ist. Nur das Gesicht und die fünf drastisch gestalteten Kreuzwunden Christi bleiben unbedeckt. Sie ähneln "Blutstrauben" und erinnern wie die Trauben und das Reblaub der Grabplatte an den Ausspruch Augustinus: "Man hat ihn wie eine Traube zerquetscht, und er wurde zu Wein."
 
Wie auf einem Kissen ruht der Kopf auf dem kreuzgeschmückten Heiligenschein. Das hagere, bärtige Gesicht ist durch tiefliegende Augen, lange Falten und hervorstehende Backenknochen gezeichnet. In der freiliegenden Brust befindet sich eine viereckige Vertiefung mit verschließbarem Deckel. Hierein wird sinnbildlich für die Grablegung und die Auferstehung Christi die Hostie, der Leib Christi, gelegt und in der Osternacht wieder herausgenommen.
 
Auf dem Sarg hinter dem toten Christus stehen die drei Marien: Maria, die Mutter des Jakobus, Maria aus Magdala und Salome. Sie sind kleiner proportioniert als Christus und tragen faltenreiche Gewänder, die in unterschiedlicher Weise drapiert sind. Zwei von ihnen hielten ein Salbgefäß (heute verloren), die mittlere hat ein Buch in der Hand. Auch die zwei Engel am Kopf- und Fußende sind heute unvollständig: Sie schwangen ursprünglich Weihrauchfässer und hatten große steinerne Flügel, von denen die Schlitze zur Verankerung noch erkennbar sind.
 
Die fünf schlafenden im Relief gebildeten Grabwächter sind in verschiedenen Haltungen und Rüstungen dargestellt: Der Wächter links, dessen Kopf mit einer Kapuze aus Ketten geschützt ist, stützt sich auf einen Turnierhelm. In der anderen Hand hält er ein Schwert, im Gürtel steckt ein Dolch. Der Wächter neben ihm hat seinen Topfhelm abgenommen und ruht mit dem Kopf darauf. Der mittlere Wächter trägt einen Maschenpanzer und einen Eisenhelm mit umgebogener Spitze. Der vierte Wächter hat eine Rüstung mit kurzem Rock und einen Topfhelm, der rechte Wächter trägt einen Panzer mit Kettenkapuze und ist wie sein Nachbar mit Schwert, Dolch und Schutzschild ausgestattet.
 
Die Kapelle hat auch heute noch eine wichtige liturgische Funktion: Im Behältnis in der Brust der Christusfigur wird von Karfreitag bis zur Osternacht die konsekrierte Hostie aufbewahrt. 
 
 
 
 
 
Die "drei Marien"