Edith-Stein-Fenster

 
 
 
 
 
Das ca. vier Quadratmeter große Fens­ter erinnert an die Jüdin, Philosophin, Konvertitin, Karmelitin und Heilige Edith Stein, die 1942 im Konzentrati­onslager Auschwitz ermordet wurde. Sie lebte 1918-20 in Freiburg als wis­senschaftliche Assistentin des Philo­sophen Edmund Husserl. Es war der Wunsch des Künstlers Hans-Günther van Look (1939-2007) und der Geist­lichkeit, der viel Verehrten und 1998 Heiliggesprochenen im Freiburger Münster ein Fenster zu widmen. Auf dem Fensterbild ist sie als Ordens­frau im Gewand der Karmelitinnen zu sehen. 1922 war die Jüdin "nach lan­ger Suche nach der Wahrheit" zum Christentum übergetreten und elf Jahre später in das Kloster der Karmelitinnen in Köln-Lindenthal eingetre­ten. Dort erhielt sie den Ordensnamen Schwester Teresia Benedicta a Cruce, die "vom Kreuz Gesegnete", worauf das Kreuz hinweist, das auch in ihren philosophischen Studien der "Kreuz­wissenschaft" eine Rolle spielte.
 
Van Look wollte ihr Gesicht so genau wie möglich in der Grisaille-Technik, der feinabgestuften Grautonigkeit, zeich­nen. So gestaltete er ein genaues Schwarz-Weiß-Portrait anhand eines kleinen Passfotos von Edith Stein aus dem Jahr 1938. Auf ihre jüdische Abstammung verweist der siebenarmige Leuchter. Die grüne Zypresse leitet nach altem Mythos die Gebete der Menschen unmittelbar zu Gott hin. Im Hinter­grund ist in Blau das Gebirge Karmel in Palästina dargestellt. Darüber spannen sich über die gesamte Komposition hinweg zwei "Lichtbögen", durch die hindurch Strahlenbündel "kosmisches Lichtgut" zur Erde bringen.
 
Edith Stein wurde ihre jüdische Herkunft zum Verhängnis. In der Neujahrsnacht 1938/39 emigrierte sie in die holländische Niederlassung ihres Ordens, den Karmel in Echt, wo sie 1942 aufgegriffen und nach Auschwitz ausgeliefert wurde.
 
Der in Freiburg geborene Maler und Bildhauer Hans-Günther Van Look lebte in derselben Wohnung, in der Edmund Husserl wohnte und wo Edith Stein und Martin Heidegger als wissenschaftliche Assistenten arbeiteten. Schon früh faszinierte ihn diese außergewöhnliche Frau, für die er nun einen würdigen Ort zu ihrer Erinnerung geschaffen hat. Van Look studierte in Karlsruhe an der Akademie der Bildenden Künste, war dort Schüler des Malers Georg Meistermann († 1990) und hörte Architekturvorlesungen an der TH Karlsruhe bei Prof. Egon Eiermann. 1977 erhielt er ein Stipendium der deutschen Akademie Villa Massimo, Rom. Er fertigte zahlreiche Werke im öffentlichen und sakralen Raum, u.a. Glasfenster für die kath. Kirchen in Müllheim, Badenweiler und Brühl sowie Altäre für St. Cyriak in Freiburg und die kath. Kirchen in Forchheim, Bad Bellingen und Niederwinden.