Das gotische Langhaus

 
 
Langhaus Westjoche Südseite
 

Die vier Westjoche (ca. 1260 bis Anfang 14. Jahrhundert)

 
In mehrere Etappen entstanden die Westjoche. Ihre architektonische und bildhauerische Gestaltung lehnt sich an die Ostjoche an, doch wurden Einzelheiten in den fortgeschritteneren Formen der Gotik verändert. Die Arkadenbögen sind reicher profiliert, die Maßwerkfenster zeigen eine schmuckvollere und differenziertere Unterteilung, auch die Seitenschiffarkaden wurden eleganter gestaltet und besitzen nun feingliedrige Kapitelle aus doppelten Blattkränzen.
 
Zunächst errichtete man die Seitenschiffmauern, als erstes die nördlichen, danach große Teile der südlichen. Diese Reihenfolge lässt sich durch Baunähte und unterschiedlich gestaltete Baudetails, wie den Säulenbasen, erschließen. Vor allem das schöne und qualitätsvolle "Lammportal" auf der Südseite beweist die gegenüber der Nordseite stilistisch weiterentwickelten Formen.
 
Gemeinsam mit dem Bau des Westturms entstanden die restlichen Teile des Langhauses: die Westabschlüsse der Seitenschiffe mit ihren quadratisch gerahmten Fensterrosen, die fehlenden Teile der südlichen Außenmauern und die Langhausarkaden im Kirchenschiff. Danach erfolgte die Wölbung der westlichen Seitenschiffjoche und schließlich der Bau der Mittelschiffmauern mit dem oberen Teil des Strebewerks. 1301 (dendrochronologisches Datum) wurde das Bauholz für den Langhausdachstuhl gefällt und verbaut. Bis dahin müssen die Arbeiten am Langhaus mit Ausnahme der Gewölbe, die erst unter dem Schutz des Daches aufgemauert wurden, fertig gestellt gewesen sein. Die Figurenbaldachine und Fialen auf den Strebepfeilern stammen größtenteils aus spätgotischer Zeit (16. Jh.).